Presseinformation 2017

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Expertinnen und Experten der Kinderwunschmedizin tagen in München

"Wir erwarten große Fortschritte auch für schwierige Situationen"

Paare, die sich in eine Kinderwunschbehandlung begeben, haben eine Chance von durchschnittlich etwa 30% pro Therapiezyklus, dass sie am Ende ein gesundes Baby im Arm halten. Ärztinnen und Ärzte aus vielen Fachrichtungen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vielen Disziplinen müssen interdisziplinär eng zusammenarbeiten, um diesen Erfolg zu erreichen.

Vom 07. bis 09. Dezember 2017 findet in München zum siebten Mal der Kongress des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und –medizin statt. Es handelt sich um den größten deutschsprachigen wissenschaftlichen Kongress für die Expertinnen und Experten der Kinderwunschmedizin. In diesen drei Tagen werden alle offenen wissenschaftlichen Themen diskutiert, um noch bessere Erfolge zu erzielen. Internationale Studien und neue Methoden werden auf den Prüfstand gestellt, denn bei vielem, was am Anfang vielversprechend aussieht, zeigen die Auswertungen nach einigen Jahren, dass nur wenige dieser Methoden wirklich dazu taugen, die Zahl der Geburten zu steigern. Kongresspräsidenten sind Prof. Dr. Christian Thaler, München, und Prof. Dr. Frank Michael Köhn, München. „Wir erwarten von dem Kongress und von unserem interdisziplinären Fach für die nahe Zukunft große Fortschritte auch für schwierige Situationen der Kinderwunschbehandlung“, so der Frauenarzt Thaler. Der Androloge Köhn fügt hinzu: „Bei einem kinderlosen Paar ist zu 50% die gesundheitliche Situation des Mannes mitbeteiligt. Nachdem lange Zeit die Frauen im Fokus der Fortpflanzungsmedizin gestanden haben, rückt jetzt noch viel intensiver als bisher die Situation auf der männlichen Seite ins Blickfeld.“

Wird die Eizellspende bald auch in Deutschland gestattet sein, und welche Möglichkeiten wird die Erweiterung des rechtlichen Rahmens künftig eröffnen? Diese Frage wird auf dem Kongress in mehreren Sitzungen diskutiert, vor allem in der Podiumsdiskussion „Herausforderung Kinderwunsch: Familienbild und Kinderwunsch im Wandel der Generationen“ am 07.12.2017. Das Thema hat durch das vor wenigen Wochen erschienene Diskussionspapier „Ein Fortpflanzungsmedizingesetz für Deutschland“ der Leopoldina erheblich an Dynamik gewonnen. Denn die Ausarbeitungen der Leopoldina, der deutschen Akademie der Wissenschaften, werden in der Politik hoch beachtet, so dass es durchaus denkbar ist, dass in der kommenden Legislaturperiode auch in Deutschland Weichen für eine offenere Kinderwunschmedizin gestellt werden. Prof. Dr. Ludwig Wildt aus Innsbruck und Prof. Dr. med. Bruno Imthurn aus Zürich werden im Rahmen der Sitzung „Gesetzlicher Rahmen der Kinderwunschtherapie: Aktuelle Regelungen in deutschsprachigen Ländern“ am 09.12.2017 die progressiven Lösungen vorstellen, die in Österreich und der Schweiz bereits in der Kinderwunschmedizin möglich sind.

Hochkomplizierte Regelungen begrenzen auch die Möglichkeiten für die genetische Diagnostik am Embryo vor der Einpflanzung in die Gebärmutter, die Präimplantationsdiagnostik (PID), bei der Zellen aus einem sehr frühen Teilungsstadium des Embryos entnommen werden, ohne den Embryo zu schädigen. Die PID-Zentren Deutschlands diskutieren auf einer öffentlichen Arbeitstagung (08.12.2017), und Prof. Dr. Jan.-Steffen Krüssel, Düsseldorf wird am darauffolgenden Tag  (09.12.2017) auf Rahmenbedingungen der PID durch die Vorgaben der „"Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistierten Reproduktion" eingehen.

Besonders für die männlichen Patienten mit Kinderwunsch hat es im Sommer eine entscheidende Verbesserung gegeben. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat im Juli eine Überarbeitung der „Richtlinien über künstlichen Befruchtung“ publiziert, in der definiert wird, dass grundsätzlich andrologisch qualifizierte Ärzte an jedem Kinderwunschzentrum integriert sein müssen, da Männer an den Ursachen einer Kinderlosigkeit sehr häufig zumindest mitbeteiligt sind. Dies spiegelt sich in einer Reihe von Sitzungen auf dem Kongress, wie zum Beispiel die Sitzung „Andrologische Aspekte von Allgemeinerkrankungen“ am 08.12.2017. Hier werden unter anderem auch die Fragen diskutiert, wie Weichmacher und andere Umweltgifte, Arzneimittel, Krankheiten von Nieren, Leber, Herz-Kreislauf-System und auch bösartige Erkrankungen sich auf die Fruchtbarkeit des Mannes auswirken Ein weiterer Vortrag befasst sich ausschließlich mit der Beurteilung des Spermiogramms nach WHO-Handbuch (09.12.2017).

Ein weiteres Higlight des Kongresses ist der Schwerpunkt-Vortrag des angesehenen Genforschers und ehemaligen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, München, zu dem hoch umstrittenen Genome Editing. Es handelt sich dabei um eine Methode der Molekularbiologie, mit der gezielt ins Erbgut eingegriffen werden kann. Zumindest theoretisch ist es damit möglich, Anlagen für Krankheiten aus der menschlichen DNA zu beseitigen. Was ist heute, was ist in den nächsten Jahren mit diesen Werkzeugen möglich? Sollen solche Methoden wirklich an menschlichen Keimzellen angewandt werden? Und was für das langfristig für unsere Gesellschaft bedeuten?

Als Ansprechpartnerin für Ihre Fragen steht Ihnen Dr. med. Susanna Kramarz zur Verfügung unter der Mailadresse presse@dvr-kongress.de . Bitte vergessen Sie in Ihrer Mail nicht das Medium/die Medien, für das/die Sie berichten werden.

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Pressetexte erhalten Sie vor Ort oder hier zum Download:

Pressetext "D I R Jahrbuch 2016 - Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung"

Pressetext "Wenn das Nest nicht schützt –Krankheiten der Gebärmutter haben Folgen für den Kinderwunsch"

Pressetext "Alltagsgifte, Krankheiten, Arzneimittel – was Männer unfruchtbar macht"

Pressetext "In der Rush-Hour des Lebens kommt der Kinderwunsch manchmal unter die Räder"

Pressetext" Richtlinie stellt Diagnostik und Behandlung von Männern mit Kinderwunsch sicher"

oder lesen Sie die Pressetexte jetzt online:

D I R Jahrbuch 2016 - Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung

D I R Jahrbuch 2016

Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung

Erstmals in der Geschichte der künstlichen Befruchtung in Deutschland wurden im Jahr 2015 mehr als 20.000 Kinder nach einer Befruchtung im Reagenzglas geboren. Diese Zahl präsentierte das Deutsche IVF-Register (D·I·R)® anlässlich des 7. Kongresses des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und -medizin am 09. Dezember 2017 in München. Im IVF-Register werden seit 1982 die Behandlungen und Resultate aus nahezu allen Kinderwunschzentren in Deutschland auf freiwilliger Basis zusammengeführt und ausgewertet. In die Resultate für das soeben erschienene D·I·R Jahrbuch 2016 konnten die vollständigen Ergebnisse von 128 Zentren einbezogen werden.

Mehr als 100.000 Behandlungen wurden in Deutschland im Jahr 2016 durchgeführt, um Eizellen zu gewinnen bzw. Embryonen in die Gebärmutter einzusetzen. Insgesamt wurden fast 65.000 Frauen behandelt.

Bei mehr als 25% der Behandlungen wurde im Jahr 2016 die Eizelle bzw. der Embryo aus dem tiefgefrorenen Zustand aufgetaut und eingesetzt. Die Chancen für eine Schwangerschaft lagen in diesen Fällen bei 27% und bei über 32%, wenn ein frischer Embryo direkt nach der Zeugung außerhalb des Körpers verwendet wurde. Drei von vier  Schwangerschaften (73%) mündeten in eine Geburt. Aber in jeder fünften Schwangerschaft kam es zu einer  Fehlgeburt.

Die Chancen, nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen, waren nach wie vor stark abhängig vom Alter der Mutter: Bei einer 35-jährigen Frau lagen sie bei 27% pro Embryonen-Transfer, bei einer 40Jährigen bei 15% und bei einer 44-jährigen Frau nur noch bei gut 3%.

Weniger ist mehr

Ein wichtiger Faktor, um nach einer Befruchtung die Chance auf eine geglückte Schwangerschaft zu erhöhen, ist die Zahl der übertragenen Embryonen und ihre Gesundheit, Robustheit und Vitalität. Wird nur ein einzelner, gesunder, vitaler Embryo übertragen, so ist Chance für die Geburt eines gesunden, reifen Kindes höher als
nach der Implantation von zwei oder gar von drei Embryonen. Nach der Einpflanzung von zwei Embryonen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft eintritt, zwar etwas höher als nach der Implantation eines einzelnen Embryos. Aber es treten häufiger Mehrlingsschwangerschaften und Komplikationen in der Schwangerschaft auf einschließlich Frühgeburten, die das Risiko für Anpassungsstörungen, Atemwegsprobleme
und auch Hirnblutungen bei den Babys erhöhen.

Bessere Erfolge könnten bei bereits vielen Patientinnen erzielt werden, wenn zwar nach der Hormonbehandlung und Punktion so viele Eizellen wie möglich entnommen werden, dann aber nur ein einzelner Embryo in die Gebärmutter eingesetzt würde. Es muss sich dabei aber um einen Embryo handeln, der sich nach mehreren Teilungszyklen
als vital und gesund erweist. Wäre diese Maßnahme erfolglos, so könnte noch auf weitere eingefrorene Embryonen zurückgegriffen werden. Doch das Embryonenschutzgesetz verbietet generell die regelhafte Erzeugung überzähliger Embryonen. Deshalb werden bis heute im Vergleich zum Ausland durch die Kinderwunschbehandlung
weiterhin unnötig viele Zwillingsschwangerschaften erzeugt: Nur in etwa 20% wird ein einzelner Embryo eingesetzt, in etwas mehr als 70% zwei. Im Ausland, in dem Kinderwunschzentren ohne die gesetzliche Einschränkung arbeiten können, liegen die Raten bereits bei über 30% für einen Ein-Embryo-Transfer, bei 55% für einen Transfer von zwei Embryonen.

Seit mehr als 10 Jahren fordern die behandelnden Ärzte die Schaffung eines „Fortpflanzungsmedizingesetzes“ statt des rückständigen und veralteten „Embryonenschutzgesetzes“ – diese Forderung wurde erneut im Oktober 2017 durch die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften – erhoben.

Würde das Embryonenschutzgesetz in diesem Punkt überarbeitet, so könnte die Rate an gesunden Einzelkindern, die nach künstlicher Befruchtung geboren werden, deutlich verbessert und die Zahl der Fehl- und Frühgeburten verringert werden. Schwangerschaften aus zwei oder drei transferierten Embryonen erhöhen das Risiko für
Mutter und Kind, ohne dabei bei vielen Patientinnen die Chancen zu verbessern.


Über das Deutsche IVF-Register
Die Öffentlichkeit fordert Information und Transparenz im Hinblick auf Diagnostik und Behandlungen auf dem sensiblen Gebiet der Kinderwunschmedizin. Diese Forderung ist berechtigt. Nur mit einer zuverlässigen und kontinuierlichen Auswertung der Behandlungsergebnisse möglichst vieler Kinderwunschzentren, wie sie das Deutsche IVF-Register leistet, kann dieser Forderung gefolgt werden. Darüber hinaus dient diese Auswertung wissenschaftlichen Erkenntnissen und damit verbunden Verbesserungen der medizinischen Versorgung und
Ergebnisse. Aber auch bei der Beratung und letztlich der Entscheidungsfindung der ungewollt kinderlosen Paare sind die Auswertungen des Deutschen IVF-Registers von elementarer Bedeutung.

Mit der Auswertung der Behandlungen und ihrer Ergebnisse aus nahezu allen deutschen Kinderwunschzentren stellt das Deutsches IVF-Register (D·I·R)® einen einzigartigen Datenschatz dar, der mittlerweile über 1,6 Millionen Behandlungen und über 250.000 geborene Kinder in Deutschland enthält. Das Deutsche IVF-Register (D·I·R)® ist ein gemeinnütziger Verein.


Quelle: J Reproduktionsmed Endokrinologie 2017;14(6) Jahrbuch 2016 D∙I∙R Deutsches IVFRegister.
http://www.deutsches‐ivf‐register.de/jahrbuch.php


© D·I·R Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)® 2017
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Geschäftsstelle des Deutschen IVF-Registers e.V. (D·I·R)®
Markus Kimmel
Lise-Meitner-Straße 14
40591 Düsseldorf
E-Mail: geschaeftsstelle@deutsches-ivf-register.de

 

Wenn das Nest nicht schützt –Krankheiten der Gebärmutter haben Folgen für den Kinderwunsch

Familienplanung

Wenn das Nest nicht schützt –Krankheiten der Gebärmutter haben Folgen für den Kinderwunsch

Krankheiten der Gebärmutter, die zur Kinderlosigkeit führen können, sind nicht selten. In vielen Fällen allerdings kann die Kinderwunschmedizin eine Lösung finden, damit die Frau Mutter eines eigenen Babys werden kann. Auf dem 7. DVR-Kongress, dem führenden wissenschaftlichen Kongress für Kinderwunschmedizin in Deutschland, hat sich deshalb eine ganze Vortragsreihe mit diesen Krankheiten befasst und mit den Möglichkeiten, sie zu behandeln.

Endometriose – die Entzündung in den Griff bekommen

Bei der häufigsten dieser Erkrankungen handelt es sich um die Endometriose, an der fast jede zehnte Frau leidet. Dabei breiten sich Zellen, die eigentlich nur im Inneren der Gebärmutter wachsen sollen, auch in den Eileitern, auf den Eierstöcken, der Harnblase oder im Bauchraum aus. Wenn die Regelblutung einsetzt, bluten auch diese Inseln aus Gebärmutter-Gewebe. Deshalb haben diese Mädchen und Frauen zunehmend schwere bis schwerste Schmerzen während der Menstruation, und zwar nicht nur an typischer Stelle im Unterleib, sondern auch seitlich, nach oben oder zum Rücken ausstrahlend. Solange kein Kinderwunsch besteht, helfen Arzneimittel oft sehr gut, die das Wachstum der Gebärmutter-Schleimhaut eindämmen und teilweise auch als hormonelle Verhütungsmittel verwendet werden können. Mit diesen Arzneimitteln können die Schmerzen oft weitgehend beseitigt werden.

Frauen mit Endometriose haben ganz typische Veränderungen ihrer Immunabwehr, wie die Biologin  Franziska Würfel vom Labor für Molekulare Medizin der Universitäts-Frauenklinik Erlangen erläuterte. Zum einen sieht es so aus, als ob die natürlichen Abwehrzellen wie beispielsweise die sogenannten Natürlichen Killerzellen im Bauchraum zu inaktiv wären, um die Endometriose-Inseln auf natürlichem Weg aufzulösen. Auf der anderen Seite rufen die fehlgesteuerten Ansiedlungen des Gebärmutter-Gewebes Entzündungen hervor, die ihrerseits Immunreaktionen hervorrufen, die das Gewebe in der Gebärmutter verändern. Diese Einflüsse sind so stark, dass Frauen mit einer unbehandelten Endometriose oft keine Kinder bekommen können.

Das beste Vorgehen ist es deshalb, dies betonte Dr. med. Sebastian D. Schäfer, Universitäts-Frauenklinik Münster, die Endometriose-Herde möglichst vollständig zu finden und operativ zu entfernen. Dadurch wird die Immunreaktion beseitigt, die Entzündung heilt ab, und die Frau kann auf natürlichem Weg schwanger werden.

Endometriose-Operationen sind technisch sehr anspruchsvoll und brauchen viel Erfahrung des frauenärztlichen Operationsteams. Deshalb empfahl Prof. Schäfer dringend, sich für die Diagnostik und für die Operation selbst in ein Endometriose-Zentrum zu begeben, selbst wenn die Wege dorthin sehr lang sein sollten. Die Chancen, dass möglichst viele der Endometriose-Inseln gefunden und ohne Beschädigung der befallenen Organe entfernt werden können, sind dann sehr viel größer. Viele Untersuchungen haben bewiesen, dass damit auch die Chance der Frau ganz deutlich ansteigt, später schwanger werden zu können.

Myome – Tumore, die das Baby verdrängen

Eine zweite sehr häufige Krankheit der Gebärmutter, die nicht nur zu dauerhaften Blutungen und Schmerzen führen kann, sondern auch zu Kinderlosigkeit, sind Myome, also gutartige Wucherungen des Muskelgewebes der Gebärmutter. Solange Myome klein sind, langsam wachsen und in tiefen Wandschichten der Gebärmutter verboren liegen, stören sie eine Schwangerschaft oft nicht, wie Prof. Dr. med. Jörg Engel, Chefarzt der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt, erläuterte. Wenn sie dagegen oberflächlich und schnell wachsen, und zahlreich oder sehr groß sind, dann wird das Wachstum des Embryos häufig so sehr gestört, dass die Schwangerschaft verloren geht. In diesen Fällen müssen die Myome behandelt werden, bevor die Frau plant, schwanger zu werden.

Zu der Behandlung gehört heute häufig eine Vorbehandlung mit dem Arzneimittel Ulipristalacetat, das den natürlichen Einfluss des Hormons Progesteron auf die Gebärmutter blockiert und Myome verkleinern kann. Nach der Vorbehandlung folgt eine Operation. Dabei ist wichtig, dass wirklich alle Myome vom Operateur erreicht und entfernt werden können. Daran richtet sich die Art des Eingriffs aus. Nach der Operation muss über mehrere Monate eine vollständige Heilung abgewartet werden, bevor eine Schwangerschaft geplant werden kann.

Solange die Frau nicht ausschließen kann, dass sie später noch Kinder bekommen möchte, muss die Behandlungsmethode darauf Rücksicht nehmen, betonte Prof. Engel. Eine Verödung von Blutgefäßen, wodurch die Myome ausgetrocknet werden sollen, kommt bei Frauen mit Kinderwunsch nicht in Frage. Das Gleiche gilt derzeit noch für den fokussierten Ultraschall, mit dem die Myome durch Überhitzung behandelt werden. Da noch keine Erfahrungen mit Schwangerschaften nach diesen Behandlungen vorliegen, wird derzeit eine Ultraschallbehandlung nicht empfohlen, wenn eine Frau noch Kinder bekommen möchte.

Fehlbildungen – häufig gut operabel

Ein weiteres Problem, von dem Frauen oftmals erst erfahren, wenn sie sich wegen eines vergeblichen Kinderwunsches in der Spezialsprechstunde vorstellen, sind Fehlbildungen der Gebärmutter. Hier gibt es verschiedene, typische Varianten, die alle mit der Entstehung der Gebärmutter in der Zeit zu tun haben, als die Frau selbst noch ein Embryo war, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Römer, Chefarzt an der Frauenklinik des Klinikums Köln-Weyertal. Die häufigste Variante ist eine Trennwand in der Mitte der Gebärmutter, ein sogenanntes Septum. Weiterhin kann der Uterus zwei völlig voneinander getrennte Höhlen haben, in  anderen Fällen gibt es zwei Höhlen, die durch eine schmale Öffnung miteinander verbunden sind. Viele dieser Veränderungen können heute operativ so behandelt werden, dass anschließend eine normale Schwangerschaft möglich ist, betont Prof. Römer. Die Entfernung eines Septums durch eine schonende, minimal-invasive Operation ist heute für geübte Operateure ein Standardverfahren. Auch bei einer zweigeteilten Gebärmutter kann mit den Methoden der modernen Chirurgie heute eine Gebärmutter aufgebaut werden, die in glücklichen Fällen später in der Lage sein kann, eine Schwangerschaft zuzulassen. Die Geburt wird dann allerdings immer als Kaiserschnitt erfolgen.

Gebärmutter-Transplantationen – bald keine Einzelfälle mehr

Wenn eine Frau überhaupt keine Gebärmutter hat – sei es von Geburt an oder nach einer Operation – , ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. In wenigen Einzelfällen haben Operationsteams vor allem in Schweden, den USA und in Tschechien und vor einem Jahr erstmals in Deutschland, nämlich am Universitätsklinikum Tübingen, Frauen eine Gebärmutter transplantiert, wie Prof. Dr. med. Sara Y. Brucker von der Universitäts-Frauenklinik Tübingen auf dem DVR-Kongress darlegte. In einigen Fällen außerhalb von Deutschland sind nach einer ausreichend langen Heilungsphase Kinderwunschbehandlungen mit einer künstlichen Befruchtung geglückt und bereits gesunde Kinder auf die Welt gekommen. Bei anderen Frauen gab es Probleme mit der Durchblutung der neu eingesetzten Gebärmutter, oder die Abstoßungs-Reaktionen konnten nicht beherrscht werden, so dass das fremde Organ wieder entfernt werden musste.

Während alle oben genannten Verfahren bewährte Methoden sind, um Frauen mit Kinderwunsch zu einer Schwangerschaft zu verhelfen, sind Transplantationen einer Gebärmutter – Spenderin sind meist sehr nahe Verwandte der Patientin – derzeit noch Einzelfälle. „Je mehr Erfahrung weltweit und in jedem einzelnen Operationszentrum vorhanden ist, umso genauer wissen wir, in welchen Situationen ein solcher Eingriff Erfolg verspricht und wann nicht.“ Dass derartige Transplantationen keine Einzelfälle bleiben werden, davon geht Prof. Brucker aus: „Wir schätzen, dass allein in Deutschland bis zu 10.000 Frauen leben, die von Geburt an oder nach einer Krankheit keine Gebärmutter mehr haben, und denen wir mit dieser Methode dazu verhelfen könnten, trotzdem Mutter zu werden.“


© DVR-Kongress 2017

Alltagsgifte, Krankheiten, Arzneimittel – was Männer unfruchtbar macht

Familienplanung

Alltagsgifte, Krankheiten, Arzneimittel – was Männer unfruchtbar macht

Paare mit Kinderwunsch unterschätzen vielfach, wie stark Genussgifte, Krankheiten und Arzneimittel die Fruchtbarkeit des Mannes beeinträchtigen können. Auf dem größten deutschsprachigen Kongress für Kinderwunschmedizin  erläuterte einer der beiden Kongresspräsidenten, Prof. Dr. med. Frank-Michael Köhn, in einer wissenschaftlichen Sitzung, dass nicht nur die Zahl der Spermien durch derartige Einflüsse geschädigt werden kann, sondern auch ihre Beweglichkeitund ihre Fähigkeit, sich mit der Eizelle zu verbinden. Ein weiterer Angriffspunkt für solche schädigende Einflüsse kann zudem die DNA, das Erbmaterial, sein.

Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes können den Spermien schaden

„Zunehmende Bedeutung als Ursachen für Störungen der männlichen Fruchtbarkeit bekommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht, vor allem in Kombination mit einem steigenden Alter der Männer in der Kinderwunschsprechstunde“, so der Androloge. In Fettzellen wird das männliche Hormon Testosteron außerdem in Östrogen umgewandelt, so dass das Risiko für einen Testosteronmangel steigt, was die Funktion der Hoden beeinträchtigen kann („Hypogonadismus“). Bei sehr starken Beeinträchtigungen der Spermaqualität kann die Befruchtung auf natürlichem Weg so unwahrscheinlich werden, dass künstliche Befruchtungen notwendig sind. Mit Übergewicht und Diabetes geht zudem häufig ein Bluthochdruck einher, der die Produktion von Samenzellen in den Samenkanälchen der Hoden negativ beeinflussen kann. 

Zusätzlich richtet sich das wissenschaftliche Interesse zunehmend auf Substanzen wie Betablocker und Kalziumantagonisten, gängige Arzneimittel gegen einen zu hohen Blutdruck, da nach Anwendung dieser Medikamente Einschränkungen von Spermienzahl und Spermienfunktionen beobachtet wurden. Für die Phase der Familienplanung müsste deshalb in enger Absprache mit dem behandelnden Internisten gegebenenfalls über einen Wechsel der Arzneimittel nachgedacht werden, so Köhn. Noch besser wäre es, durch eine Änderung des Lebensstils die Behandlung mit Arzneimitteln ganz unnötig zu machen. „Ein Body Mass Index über 25 kann mit schlechterer Spermaqualität einhergehen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Spermien von adipösen Männern mit einem BMI über 30 schlechtere Ergebnisse bei künstlichen Befruchtungen ihrer Frauen erreichen.“

Zu einem Stopp der Spermienproduktion führen übrigens auch Anabolika, die männliche Hormone enthalten. Dem Körper wird dadurch signalisiert, dass ausreichend Testosteron vorhanden ist. Daher unterbleibt die ausreichende Stimulation der Hoden durch die Hirnanhangsdrüse, so dass die Produktion von Samenzellen ausbleibt. Die Folge kann ein Verlust der Fruchtbarkeit sein.

„Bei der Abklärung der männlichen Fruchtbarkeit sollten aber auch Störungen der Sexualität wie Erektions- oder Orgasmusstörungen berücksichtigt werden. Alkohol, Drogen und Psychopharmaka können manchmal die Ursache dafür sein, dass bei einem Mann die Stärke und Dauer der Erektion nicht mehr ausreichen oder sexuelles Verlangen, Orgasmus oder Ejakulation beeinträchtigt sind“, erläutert Köhn.

DNA-Schäden durch Nikotin und Überwärmung

Gravierend sind auch die Schäden, die Nikotin an den Spermien anrichtet: Die Zahl, Beweglichkeit und Form der Spermien können gestört sein, so dass ihre Chancen, überhaupt bis zur Eizelle vorzudringen, erheblich eingeschränkt sind. Außerdem finden sich bei Rauchern häufiger Schäden in der DNA, dem Erbmaterial, das sie transportieren. Die Fähigkeit der Spermien, Eizellen zu befruchten, kann dadurch deutlich herabgesetzt sein. Untersuchungen aus Deutschland haben gezeigt, dass sich diese Folgen von Nikotinkonsum teilweise erst zwei Jahre nach Beendigung des Nikotinkonsums zurückbilden. Auch Überwärmung durch Infektionen mit Fieber, durch Krampfadern im Hodensack, viel sitzende Tätigkeit oder Sitzheizungen können die Spermaqualität und Fähigkeit zur Befruchtung von Eizellen beeinträchtigen. Besonders schwere Schäden der Spermienproduktion werden durch Chemotherapien verursacht, wie sie bei Krebserkrankungen oder manchmal auch bei Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden.

Weniger beweglich, weniger erfolgreich

Für eine erfolgreiche Zeugung braucht es nicht nur eine Mindestzahl von genetisch intakten Spermien. Die Spermien müssen auch ausreichend vorwärts beweglich sein, um die Eizelle zu erreichen. Sogenannte Kreisläufer oder träge vorwärts bewegliche Spermien werden nicht an der Eizelle ankommen und sie befruchten können. Nikotin, Übergewicht, Diabetes, Fieber und Infektionen, Chemotherapie und Arzneimittel können diese wichtigen Eigenschaften von Spermien so beeinträchtigen, dass die Chance auf Befruchtung herabgesetzt ist.

„Die gute Nachricht ist, dass sich das Hodengewebe nach Beendigung schädlicher Einflüsse auch wieder erholen kann. Eindrucksvoll sieht man das, wenn bei hohem Fieber die Spermienzahlen dramatisch abfallen und nach Gesundung in den folgenden Monaten wieder ansteigen“, so Köhn. „Das erfordert aber Geduld, da die Produktion und Reifung von Samenzellen im menschlichen Hoden und Nebenhoden etwa drei Monate in Anspruch nehmen. Zudem kann man die Fähigkeit zur Erholung im Einzelfall nicht vorhersagen. So haben wir auch Patienten mit langem Missbrauch von Anabolika gesehen, deren Hoden ihre Funktion nicht wieder aufgenommen haben.“

Spermiogramm nur nach WHO-Handbuch

Köhn wies darauf hin, dass die komplette Samenanalyse immer noch nur durch geschulte Fachkräfte möglich ist, auch wenn die computerassistierte Samenanalyse in den letzten Jahren weitere Fortschritte gemacht hat.  Damit die Ergebnisse von Spermiogrammen trotzdem vergleichbar sind, muss unbedingt nach dem „Laborhandbuch der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Untersuchung und Aufbereitung des menschlichen Ejakulats“ vorgegangen werden, das sehr präzise jeden einzelnen Schritt der Aufbereitung und Auswertung definiert sowie die Qualitätssicherung bei der Samenanalyse gewährleistet.

Dazu Prof. Köhn: „Es ist sehr wichtig, dass dort, wo das Paar mit seinem Kinderwunsch betreut wird, auch exakt nach WHO-Handbuch gearbeitet wird. Die Ergebnisse des Spermiogramms können aber nur in Verbindung mit der Krankenvorgeschichte des Mannes, seiner körperlichen Untersuchung durch einen Andrologen und gegebenenfalls auch Hormonuntersuchungen korrekt beurteilt werden. Eine eingeschränkte Spermaqualität ist erst einmal nur ein Symptom und noch keine Diagnose. So, wie der Allgemeinarzt oder Internist bei dem Symptom ‚Fieber‘ klären muss, woher es kommt, müssen Andrologen bei eingeschränkter Spermaqualität nach Ursachen suchen. Das können z.B. Hodenhochstand im Kindesalter, Hormonstörungen oder Infektionen sein. Die künftigen Eltern selbst profitieren davon, wenn die Diagnose wirklich genau gestellt wird, denn daran werden sich die künftige Behandlung und auch die Einschätzung der Erfolgschancen messen.“


© DVR-Kongress 2017

In der Rush-Hour des Lebens kommt der Kinderwunsch manchmal unter die Räder

Familienplanung

In der Rush-Hour des Lebens kommt der Kinderwunsch manchmal unter die Räder

Die Kinderwunschmedizin hat viele Erfolgs- und auch Sensationsmeldungen: Jahrelanges Tiefkühlen von Eizellen und Spermien, genetisches Design für das kindliche Erbgut, Transplantationen von Eierstöcken und Gebärmutter, Vierlinge mit 60 Jahren, all diese Berichte lassen Paare, die wegen eines unerfüllten Kinderwunsches zur Beratung und Behandlung kommen, glauben, dass in Sachen Nachwuchs alles erreichbar sei.

„Wir arbeiten intensiv dafür, dass jede Kinderwunschbehandlung in die Geburt eines gesunden Babys mündet“, sagt Prof. Dr. med. Christian Thaler vom Kinderwunschzentrum des Klinikums der Ludwig-Maximilian-Universität München. „Aber selbst bei maximalen Bemühungen können wir bis heute nicht allen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch zu leiblichen Kindern verhelfen.“

Die Kinderwunschbehandlung erfordert maximal interdisziplines Arbeiten wie kaum ein anderes Gebiet der Medizin. Endokrinologisch und operativ qualifizierte Frauenärztinnen und –ärzte, Andrologen für die Beurteilung der Fruchtbarkeit des Mannes, Biologen für den optimalen Umgang mit Eizellen, Spermien und Embryo, dazu Urologen und Sexualmediziner gehören ins Team von Kinderwunschzentren. Alle diese Gebiete sind im „Dachverband Reproduktionsbiologie und –medizin e.V.“ organisiert, der vom 07.-09.12.2017 in München seinen siebten Kongress durchführt, den größten deutschsprachigen wissenschaftlichen Kongress für Kinderwunschmedizin, dieses Jahr unter Leitung des Frauenarztes Prof. Dr. med. Christian Thaler und des Andrologen Prof. Dr. med. Frank-Michael Köhn, beide aus München.

Nach dem 45. Lebensjahr in Richtung null Prozent

Eines der größten Probleme der Kinderwunschmedizin ist, dass das Alter, in dem Frauen heute ihren Kinderwunsch realisieren wollen, immer höher steigt. „Die Studie zur ‚Generation What‘ hat ergeben, dass über 50% aller jungen Erwachsenen in Deutschland sich ein Leben ohne Kinder vorstellen können. Diese Einstellung ändert sich im Lauf des Lebens in vielen Fällen. Aber die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, nimmt ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich ab und geht nach dem 45. Lebensjahr in Richtung null Prozent“, erläutert Thaler. „Viele Paare hoffen, durch Maßnahmen der Fortpflanzungsmedizin hieran grundsätzlich etwas ändern zu können. Leider trügt diese Hoffnung! Auch dann, wenn wir noch normal aussehende Eizellen und Spermien gewinnen können, sinken mit höherem Alter der Frau die Chancen für das Einpflanzen eines Embryos und vor allem dafür, dass es am Ende zur Geburt eines gesunden Kindes kommt, selbst wenn alles in der Behandlung optimal läuft und selbst dann, wenn man mehrere Anläufe unternimmt.“

Dass junge Erwachsene die Probleme, die sich bei einer verzögerten Familienplanung ergeben, bei weitem nicht erkennen, zeigen mehrere aktuellen Studien. Den Projektkoordinator der wichtigen Studie „Generation What“, Tobias Bönte, hat der Kongress am 07.12.2017 in der Podiumsdiskussion „Herausforderung Kinderwunsch: Familienbild und Kinderwunsch im Wandel der Generationen“ zu Gast, ebenso wie Prof. Dr. rer. pol. Carsten Wippermann, der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bereits mehrere Studien durchgeführt hat, darunter die Studie „Kinderlose Frauen und Männer -Ungewollte oder gewollte Kinderlosigkeit im Lebenslauf“ im Jahr 2015 und „Mitten im Leben - Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren“ im Jahr 2016. Diese Studien und ihre große Bedeutung für die Reproduktionsmedizin werden auf dem Kongress intensiv diskutiert[1]. „Wir sehen vor allem das Problem, dass Frauen und Männer in der Rush-Hour ihres Lebens berufliche Karriere, Partnerwahl, Engagement in Ehrenamt und Hobby, oft auch Hauskauf und vieles andere versuchen zu bewältigen, und genau in diese Zeit soll dann auch noch die Familiengründung fallen“, beschreibt Kongresspräsident Thaler die Situation. „Viele Paare verschieben also aus gut nachvollziehbaren Gründen das Kinderthema auf eine spätere, ruhigere Phase. Dann aber reichen die unsere Möglichkeiten in der Kinderwunschmedizin oftmals nicht mehr aus.“

Embryonenschutzgesetz von 1990 schränkt Erfolgsaussichten ein

Bei den den geringen Erfolgsaussichten spielen auch einige Aspekte des Embryonenschutzgesetzes aus dem Jahr 1990 eine Rolle: So gilt in Deutschland der selektive Single Embryo-Transfer immer noch als illegal. „Mit dieser Methode wird aus mehreren im Labor entstandenen Embryonen einer mit den besten Überlebenschancen ausgesucht und nur dieser eine Embryo wird dann auch implantiert. Damit können Mehrlingsschwangerschaften fast vollständig vermieden werden“, erläutert Thaler. „In manchen Fällen, etwa nach Chemotherapie, käme auch die Spende von Eizellen einer anderen Frau in Frage, aber auch die ist in Deutschland vollständig verboten. Tatsächlich hatte man im Jahr 1990 noch vermutet, dass die EizellSpende dem Identitätsgefühl eines Kindes abträglich sein könnte, weil es dann zwei biologische Mütter hat – eine Sorge, die sich in internationalen Studien nicht bestätigt hat. Absurderweise war in Deutschland dagegen die Samenspende, also die Spaltung einer biologischen und sozialen Vaterschaft niemals verboten, auch wenn einzelne familienrechtliche Fragen bis heute ungeklärt sind.“

Bei Eizell-Spenden im Ausland, die von vielen Paaren wahrgenommen werden, erfolgt die Eizell-Spende meist anonym, so dass die künftigen Eltern und auch das Kind nicht erfahren können, wer die genetische Mutter ist. Zudem trauen sich einzelne Frauen nicht, ihren betreuenden Frauenärztinnen und –ärzten in Deutschland von der Behandlung in der ausländischen Klinik zu berichten. Das ist besonders problematisch, da  es bei einer Schwangerschaft nach Eizell-Spende häufiger zu Komplikationen kommt, so dass Transparenz besonders wichtig wäre, um den ersten Anzeichen dieser Gesundheitsprobleme frühzeitig Aufmerksamkeit schenken zu können.

„Eine Legalisierung der Eizell-Spende in Deutschland unter definierten Bedingungen würde beide Probleme mit einem Schlag lösen“, so Thaler. Die Leopoldina, die deutsche Akademie der Wissenschaften, hat vor wenigen Wochen in einem Diskussionspapier von der Politik gefordert, in der kommenden Legislaturperiode ein modernes Fortpflanzungsmedizingesetz auf den Weg zu bringen. „Es gibt dringenden Handlungsbedarf“, betont der Kongresspräsident. Die juristischen Fragen und künftigen Entwicklungen der Kinderwunschmedizin – auch im internationalen Vergleich - stehen deshalb auf dem DVR-Kongress am Samstag im Vordergrund.

 
© DVR-Kongress 2017



[1] Podiumsdiskussion „Herausforderung Kinderwunsch: Familienbild du Kinderwunsch im Wandel der Generationen“ (V007) am 07.12.2017, 16.00-17.30.

Richtlinie stellt Diagnostik und Behandlung von Männern mit Kinderwunsch sicher

Familienplanung

Richtlinie stellt Diagnostik und Behandlung von Männern mit Kinderwunsch sicher

Einer künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers durch Injektion eines Spermiums in eine Eizelle[1] muss seit wenigen Monaten eine Untersuchung des Mannes durch Ärztinnen oder Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Andrologie“[2] vorausgehen. Die Untersuchung umfasst neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung zwei Spermiogramme gemäß den aktuellen Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation. Ein Spermiogramm ist eine sehr genaue Analyse von Spermien und Samenflüssigkeit. Dadurch kann eine schwere männliche Störung der Fruchtbarkeit nachgewiesen werden.

Mit dieser Aktualisierung wird auf die Erkenntnis reagiert, dass Männer und Frauen zu gleichen Teilen betroffen sind, wenn ein Paar einen vergeblichen Kinderwunsch hat. Deshalb sollte in einem Kinderwunschzentrum nicht nur die Frau, sondern durch Zusammenarbeit mit Andrologen auch der Mann gleichermaßen betreut werden. Die Änderung wurde festgelegt in den „Richtlinien über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung“ des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die im Sommer in überarbeiteter Form in Kraft trat.

„Wir sind sehr froh über diesen Entschluss“, sagt Prof. Dr. med. Frank-Michael Köhn, Facharzt für Dermatologie mit Zusatzbezeichnung Andrologie am Andrologicum München und einer der beiden Kongresspräsidenten des 7. Kongresses des Dachverbandes für Reproduktionsbiologie und –medizin[3]. „Auf diese Weise ist es für das Paar völlig selbstverständlich, dass von Anfang an bei beiden die notwendige Diagnostik durchgeführt wird.“ Besonders wichtig ist das vor dem Hintergrund, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer in der Kinderwunschsprechstunde immer älter werden und auch immer häufiger begleitende Erkrankungen aufweisen, die die Zeugungsfähigkeit beinträchtigen können. 

Auf die wachsende Bedeutung der Andrologie für die Kinderwunschbehandlung hat der wissenschaftliche Beirat des Kongresses bei der Themenplanung reagiert: Insgesamt fünf Hauptsitzungen haben sich auf dem dreitägigen Kongress mit andrologischen Themen befasst und eine weitere Sitzung allein mit der Beurteilung der Spermien unter dem Mikroskop, dem so genannten Spermiogramm, entsprechend den Vorgaben des Laborhandbuchs der WHO.

Versorgungsengpässe sieht der Experte nicht: „Wir haben in Deutschland etwa 250 Kinderwunschzentren und 1.200 Andrologen.“

 
© DVR-Kongress 2017



[1] Intra-cytoplasmatische Spermien-Injektion = ICSI

[2] Die Andrologie ist die Lehre von Gesundheitsstörungen des Mannes, die Sexualität und Fortpflanzung und hormonelle Veränderungen betreffen.

[3] 7. Kongress des Dachverbandes für Reproduktionsbiologie und –medizin vom 07. bis 09.12.2017 in München.

Presseinformation 2015

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Aktuelles aus der Reproduktionsmedizin

6. DVR-Kongress in Hamburg: Kinderwunsch-Experten laden zur Pressekonferenz ins CCH

Hamburg. Die moderne Reproduktionsmedizin ist eine Erfolgsgeschichte, die laut brandaktueller Statistik, allein in Deutschland auf die Geburt von 225.625 Wunschkindern nach assistierter Reproduktion zurückblicken kann: Die neuesten interdisziplinären Fortschritte und einen ihrer international bekanntesten Protagonisten stellt der Dachverband Reproduktionsbiologie und -medizin e.V. (DVR) auf der Pressekonferenz anlässlich des 6. DVR-Kongresses in Hamburg vor. Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Georg Griesinger und Dr. Matthias Beintker werden die Veranstaltung am Donnerstag, 3. Dezember 2015 von 13.45 bis 14.45 Uhr im Congress Center Hamburg (CCH), Saal 15 / 1. OG moderieren und freuen sich auf Ihre Teilnahme.

Vor Ort zieht Prof. Griesinger, Direktor der Universitären Kinderwunschzentren Lübeck und Manhagen, ein Fazit nach einem Jahr Präimplantationsdiagnostik in Deutschland und nennt erstaunliche Fakten: zum Beispiel über die Anzahl der Paare, die eine genetische Untersuchung des Embryos wünschen und wie viele sie in Abhängigkeit von der Entscheidung der Ethikkommission tatsächlich erhalten.

In Schweden feiert man inzwischen die Geburt von vier Babys, die in einer transplantierten Gebärmutter heranwuchsen, und Mats Brännström, Professor und Chairman, Department of Obstetrics & Gynecology, Sahlgrenska Academy, University of Gothenburg, der fünfzehn Jahre für diese medizinische Sensation geforscht hat, stellt sich den deutschen Pressevertretern und damit der Frage, ob und wann die Uterustransplantation Eingang in die reproduktionsmedizinische Routine finden kann.

In einer durchschnittlichen Schulklasse mit 30 Kindern sitzt heute ein Kind, das nach  künstlicher Befruchtung entstanden ist: Daten und Trends zur Versorgung aus dem Deutschen IVF-Register für das Jahr 2014 stellt Dr. Ute Czeromin, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinderwunschpraxis Gelsenkirchen, vor. Nicht zuletzt benennt die Vorstandsvorsitzende des Deutschen IVF-Registers aktuelle Schwangerschaftsraten nach der Kryokonservierung und wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Behandlung.

Deutschland braucht Kinder! Den Wermutstropfen in der reproduktionsmedizinischen Versorgung in Deutschland thematisiert Najib N. R. Nassar aus dem Vorstand des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e.V.: Der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Novum-Zentrum für Reproduktionsmedizin Essen – Duisburg, kritisiert das Chaos und die Defizite in der Finanzierung der Kinderwunschbehandlung.

Neues aus der Andrologie präsentiert auf der Pressekonferenz schließlich Dr. Matthias Beintker, Chefarzt der Klinik für Urologie am Südharz Klinikum Nordhausen, und Co-Präsident des 6. DVR-Kongresses.

Der Kongress findet unter Beteiligung von insgesamt neun Fachgesellschaften der Reproduktionsmedizin und -biologie sowie Andrologie vom 3. bis 5. Dezember 2015 im CCH statt.



6. DVR-Kongress: Kinderwunsch-Experten tagen in Hamburg

Hamburg.
Die Geburt des weltweit ersten Babys nach einer Gebärmuttertransplantation vor fast genau einem Jahr macht tausenden Frauen Hoffnung und ist der Forschung des schwedischen Gynäkologen Prof. Mats Brännström zu verdanken. In diesen Tagen wird der gefeierte Pionier der Universität Göteborg auf dem 6. Kongress des Dachverbands Reproduktionsbiologie und -medizin e.V. (DVR) in der Hansestadt erwartet. Im Congress Center Hamburg (CCH) diskutieren vom 3. bis 5. Dezember 2015 rund 800 Reproduktionsmediziner, Biologen und Andrologen verschiedenster Fachrichtungen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Kinderwunschbehandlung. Medienvertreter sind herzlich willkommen.

„Neue Technologien optimieren die menschliche Fortpflanzungsmedizin und eröffnen damit Chancen auf das Wunschkind für immer mehr Menschen in Deutschland, die ungewollt kinderlos sind“, sagt Prof. Dr. Georg Griesinger mit Blick auf die enormen Fortschritte im Bereich der Reproduktionsmedizin und Andrologie, der Endokrinologie, Biologie und Genetik. Der Direktor der Sektion für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck leitet den 6. DVR-Kongress gemeinsam mit dem Chefarzt der Klinik für Urologie am Südharz Klinikum Nordhausen, Dr. Matthias Beintker. Nicht zuletzt zeigt diese fachübergreifende Präsidentschaft deutlich, dass die Behandlung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch stets interdisziplinär erfolgt, denn die Ursachen liegen etwa zu gleichen Teilen bei Mann oder Frau oder bei beiden und sind vielfältig.

Ursachen der Infertilität stehen deshalb auch für die Grundlagenforscher, Kliniker und Biologen aus insgesamt neun Organisationen und Verbänden auf der Agenda des 6. DVR-Kongresses. Dazu gehören neben gutartigen Wucherungen der Gebärmutterschleimhautzellen, der sogenannten Endometriose, auch Lifestyle und Umweltfaktoren sowie die Risiken für Mann und Frau durch eine Infektion unfruchtbar zu werden. Nach einem Jahr Präimplantationsdiagnostik in Deutschland ist es für die Reproduktionsmediziner außerdem Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Ganz aktuell werden im CCH eine frühe Prägung des Embryos durch die Techniken der assistierten Reproduktion und die Bedeutung des präkonzeptionellen Screenings auf mögliche Erbkrankheiten der Eltern diskutiert. Ebenfalls auf dem Programm: das Einfrieren von Keimzellen. Die sogenannte Kryokonservierung ermöglicht heute den Erhalt der Zeugungsfähigkeit von Mann und Frau bei Krebserkrankungen, wird bisher aber nur knapp 40 Prozent der Patienten angeboten. „Hier bedarf es noch viel Aufklärungsarbeit“, sagt Kongresspräsident Prof. Griesinger. Das gilt ebenso für das „Social freezing“, dem Einfrieren von unbefruchteten Eizellen für eine spätere künstliche Befruchtung aus nichtmedizinischen Gründen. „Die Kryokonservierung ist trotz guter Befruchtungsraten keine Versicherung für ein Baby. Außerdem denken viele Frauen zu spät an diese Option, denn die Erfolgsaussichten sinken, wenn die Eizellen jenseits des 35 Lebensjahres gewonnen werden“, so der Lübecker Gynäkologe.

Mit Spannung wird in Hamburg auch die Veröffentlichung des D.I.R.-Jahrbuchs 2014 des Deutschen IVF-Registers (D.I.R.) erwartet, das unter anderem Auskunft über die Anzahl assistierter Befruchtungen und Schwangerschaftsraten hierzulande gibt. Zuletzt zeigten sich die Experten alarmiert von dem mit durchschnittlich 35,2 Jahren hohen Alter der behandelten Frauen. Und natürlich spricht Prof. Mats Brännström im CCH über sein weltweit einmaliges Forschungsprojekt an der Universität Göteborg, in dessen Verlauf inzwischen drei weitere Babys geboren wurden, die in einer transplantierten Gebärmutter heranwuchsen. Angesicht dieser Erfolge stellt sich auf dem 6. DVR-Kongress die Frage: Kann die Uterustransplantation eine Alternative für die in Deutschland verbotene Leihmutterschaft sein?

Antwort auf diese und andere Fragen erhalten Journalisten auf den rund 40 Veranstaltungen des DVR-Kongresses. Sie sind dort herzlich willkommen und zur Pressekonferenz am Donnerstag, 3. Dezember 2015 von 13.45 bis 14.45 Uhr im CCH, Saal 15 / 1. OG eingeladen. Die Themen und Referenten werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Hinweis: Der Dachverband Reproduktionsbiologie und -medizin e.V. (DVR) besteht aus folgenden Organisationen und Verbänden: Arbeitsgemeinschaft Reproduktionsbiologie des Menschen e.V. (AGRBM), Arbeitskreis Andrologie der Dermatologen (AAD), Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG), Arbeitskreis Donogene Insemination e.V. (ADI), Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren e.V. (BRZ), Deutsche Gesellschaft für Andrologie e.V. (DGA), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e.V. (DGGEF), Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin e.V. (DGRM), Deutsches IVF-Register e.V. (D•I•R), Sektion Reproduktionsbiologie und -medizin (SRBM) der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE).

 

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